2017-12-18

Jobsuche in Perth

Also um das jetzt im Vornherein mal zu sagen, wenn ich einen Job wöllte, dann hätte ich sofort einen. Das ganze Problem ist nur, dass ich mit diesen Jobs nicht wirklich glücklich wäre, da sie mehr als unseriös sind. Schon in Broome habe ich ein Angebot bekommen um in einem Lagerhaus zu arbeiten. Die wollten aber, das ich die Woche darauf anfange, obwohl sie genau wussten, dass ich da noch auf der Tour bin und dann sollte ich denen noch 60$ für einen PoliceCrimeCheck überweisen. Da war ich mir sehr unsicher, ob die mich nur abzocken wollten und ich habe vorgeschagen, das Geld persönlich zu übergeben und mir die Firma erstmal anzuschauen. nach einigem hin und her meinten sie, ich solle mich melden wenn ich in Perth bin, raus kam am Ende, dass ich nie wieder etwas gehört habe, da die ihre Mailadresse gelöscht haben.. Das nächste Angebot kam während meiner Tour nach Perth. Als Endadresse hatten sie Framing Pictures angegeben, ein Bilderrahmservice. na gut hab ich mir gedacht, bevor es dann zum Skype Interview ging, das sollte ja eigentlich ein Job sein, der ganz ok ist. Das Skype "Date" war auch ganz ok. Er mochte wie ich mich so präsentiert habe und hat mir dann aber nur erzählt, dass es dabei nicht um Bilder Rahmen geht, sondern darum, Ölbilder von Tür zu Tür zu verkaufen. Dabei soll ich ein Bild für 150$ verkaufen und darf am Ende vielleicht 1/3 davon behalten.. Sehr begeistert war ich davon nicht, aber es war ja immerhin eerstmal ein Anfang und ich wollte die Chancen nutzen die ich bekomme. Später am Tag rief mich dann der zugehörige Supervisor/Chef aus Perth an, der mich am nächsten Tag abholen wollte und zur Unterkunft in Scarborough bringen wollte. Das ganze hat sich dann aber relativ schnell erledigt, da er von der Idee, dass ich mir noch einen Nebenjob suchen wollte nicht sehr begeistert war. Sie wollen, das ihre Leute voll einsatzbereit sind und ihre Energie nicht an anderen Sachen verschwenden. Außerdem sei das ganze Team wie eine kleine Familie, die in der restlichen Zeit viele Sachen zusammen unternimmt. Ich hätte dort 4h am Tag arbeiten müssen. Von gegen 4 nachmittags angefangen. das war mir einfach zu blöd, dann nichtmal einen Stundenlohn zu bekommen und wahrscheinlich noch illegal Bilder zu verticken. Die haben mich dann auch rausgeworfen, weil sie  das mit dem extra Job nicht wollten. Ich war ehrlich gesagt nicht allzu traurig darüber, da das Jobangebot ja wirklich totaler Murks war. Ich hab das auch mal verfolgt. Auf dem Backpackerjobboard, einer Internetseite, wird diese Anzeige alle paar Tage neu gepostet. Da kann ich mir ja ausrechnen, was da am Ende bei rausgekommen wäre..
Also begann alles wieder von Vorne.Ich schrieb unzählige Bewerbungen über die Woche hinweg, bekam aber nirgendwo so wirklich eine Rückmeldung. Mittwoch Früh dann endlich, hatte ich die Zusage einer Bar, in der ich Freitag anfangen könnte. Ich habe mich so sehr gefreut. Das ganze klang auch relativ seriös, da sie mir wirklich sehr viele Informationen gab, nach der Steuernummer gleich gefragt hat etc.. Einziges Problem war der Dresscode. Sie wollte unbedingt ein Kleid und High Heels. Ja wahnsinn, sowas hat auch jeder Reisender dabei. Also machte ich mich auf und ging auf eine lange Suche bis ich am Ende mir irgendwas zusammengestückelt hatte. Freitag Abend ging ich dann mit einer positiven Erwartung zu dem Cafe wo wir uns treffen wollten. Ich war wirklich glücklich und habe mich so sehr gefreut da ein Bartending Job ja echt genial ist. In dem Cafe habe ich dann noch 5-6 andere Mädels getroffen, die ungefähr mein Alter waren. Dann kam aber nicht die Managerin, sondern sie hatte eine, die dort arbeitet vorgeschickt. Cassy sah wirklich aus, als wäre sie frisch vom Strich gekommen. Ein total aufgestyltes Blondchen, das man unter dem fetten Makeup gar nicht mehr erkannt hat. In dem Kleid, was man auch eher als Gürtel hätte sehen können, konnte man zur Seite fast durchschauen. Das war der erste Moment in dem ich etwas gezweifelt habe. Dann wurde uns auf einmal gesagst" ja ihr verdient nur Geld wenn ihr gebucht werdet, also denkt euch einen Fake Namen aus und sagt euer Land wo ihr her seit". Ich war super skeptisch und das war auch berechtigt. Als wir im Club ankamen ist die Hälfte der Mädels gleich abgehauen, das hätte ich besser auch machen sollen. Aber jetzt wo ich nach 2 Wochen Suche endlich was hatte, wollte ich nicht gleich aufgeben und ging ziemlich gequält zu 3 Line Ups. Beim dritten kam ich schon in den Raum rein und hatte nur Tränen in den Augen, da habe ich mich schon hinter allen anderen versteckt und mich nur leise vorgestellt aber aus irgendeinem Grund wollten diese Typen mich dann haben. Die waren so asozial. Total betrunken, richtig laut und ihr Verhalten zeugte nicht gerade von Intelligenz... Ich war so fassungslos wie die sich benommen haben. Zusammenfassend hatte ich eigentlich keine Pflichten außer da nuttig rumzutanzen und mich von denen begrapschen zu lassen. Ich habe mich da eben geweigert weil es nicht Sinn und Zweck der Sache war, dass ich mich da so entwürdigend darstelle. Alle anderen Mädels haben das begeistert gemacht, aber ich stand die ganze Zeit nur in der Ecke rum und habe die Minuten gezählt. Ich habe das ganze 2h ausgehalten, dann bin ich unter Tränen abgehauen, die 90$ hatte ich wenigstens sicher..Die Männer sind nach der Zeit wirklich beleidigend zu mir geworden und haben meine Bedürfnisse nicht berücksichtigt. das einzige was ich gemacht habe, ist dem einen Typ einmal was zu trinken zu bringen, aber sonst sollte ich da nur tanzen oder die wollten mich überreden mich bei irgendwelchen karaoke sachen zum Klops zu machen. Ich habe ja nix gegen Karaoke, aber das Milieu da war wirklich unter aller Sau... Ich war super froh als ich endlich im Hostel war und noch mit Mama und Papa skypen konnte. ich war so aufgelöst und gedemütigt, dass ich froh war mit ihnen reden zu können.
Naja, irgendwie musste es weiter gehen, also schrieb ich weiter Bewerbungen und hatte am nächsten Donnerstag ein Fundraising Interview. Auch nicht der Traumjob, aber ich musste ja alles versuchen. Das lief allerdings auch ziemlich bescheuert. Wir sollten den jeweils anderen vorstellen warum er der perfekte Fundraiser ist und dann einen Plan erstellen, wie wir mit einem Einrad und einem Haushaltsgegenstand bei einer Zombieakolapyse trotzdem noch das Interview erreichen sollten.. Soviel dazu. Meiner Meinung nach konnten die sich gar nicht wirklich eine Meinung über jeden einzelnen Bilden. Ich war nicht sonderlich traurig, den Job nicht machen zu dürfen, aber jetzt stand ich eben immer noch ohne Job da und das Hostelleben mit knapp 200$ für die UK frisst schon Geld und da baut sich ziemlicher Druck auf.
 Am Sonntag habe ich dann ein Interview in einem kleinen Motel in einem Vorort von Perth(Guildford) gehabt als Housekeeper. Das klang ersteinmal vielversprechend und auf dem Foto sah das ganze auch echt ansprechend aus. Shelley, die Besitzerin begrüßte mich ganz lieb und ich war erstmal erleichtert, bis ich Hundebellen hörte. Den ganzen Weg dahin über hatte ich schon gehofft, dass das bitte ein Hundefreier Ort sein möge. Naja..mein Schicksal konnte mich mal wieder gut leiden und hat mir 3 große schwarze Hunde zur Verfügung gestellt. ich habe Shelley von meiner Angst berichtet und sie meinte daraufhin , dass die Hunde eingesperrt sind. Als wir draußen waren, kam aufeinmal der eine angerannt und ich konnte mich in letzter Minute hinter die Tür retten.. Ende vom Lied war, dass ich den Job ersteinmal angefangen habe. Unter größter Angst und Panik, aber ich hatte ja sonst nix anderes in Aussicht. Nach 3 Tagen, in denen ich unzählige Bäder geputzt habe, Zimmer aufgeräumt, Betten gewechselt, die Küchen aufgeräumt oder verschiedene Haushaltspflichten erledigt habe wie z.B. Staubsaugen, kehren, abwaschen, Fenster putzen oder Wäsche waschen, kam es wieder zu einer unfreiwilligen Hundebegegnung in der ich mich auch in letzter Sekunde hinter die Tür retten konnte. Ich war wirklich komplett runter mit den Nerven und Shelley meinte, sie könnte mich nicht länger beschäftigen, wenn ich mit den Hunden nicht klarkäme.  Ich hatte ersteinmal einen kleinen Nervenzusammenbruch und wahrscheinlich hab ich ihnen dann so leidgetan, dass sie es doch weiter mit mir versucht haben und ich kann gar nicht sagen, wie dankbar ich der Familie dafür bin. In der Zeit in der ich da war, haben sie die Hunde immer im Käfig eingeschlossen( nicht wegen mir, sondern dass alle Handwerker ihre Arbeit in Ruhe erledigen konnten, nur wenn ich nachmittag da war, haben sie sie weggetan). Ich hatte aber trotzdessen kein Vertrauen, da ich insgesamt 3 mal einem freilaufenden Hund begegnet bin und wer mich kennt weiß was für ein Horror das für mich ist. Ich habe dort von Anfang November bis Mitte Dezember gearbeitet und stande während dieser Zeit unter einem enormen Druck. Ich bin wirklich runter mit meiner Energie, wenn man den ganzen Tag nur unter Angst steht, dann kann das keiner auf Dauer durchhalten und dabei noch leistungsfähig sein. Ich bin früh unter der größten Panik dorthin, habe während der Arbeit unausstehliche Ängste erlitten, habe teilweise nur noch gezittert oder keine Kraft gehabt die Aufgaben ordentlich zu erledigen, ich kam nachmittag nach Hause und war so müde, das ich nix anderes mehr hinbekommen habe und lag abends im Bett und habe mir schon wieder Sorgen über den nächsten Tag gemacht. Sonderlich viel Lebensfreude kann da einfach nicht aufkommen. Und es ist mir egal wer auch immer denkt Hundeangst sei überzogen und unrealistisch. Für mich ist es das ganz bestimmt nicht, für mich ist es ein Faktor der mir mein Leben seit meiner Kindheit kaputt macht. Wenn ich was anderes in Aussicht gehabt hätte, hätte ich sofort gekündigt, aber ich habe das Geld ja gebraucht. Sehr viel habe ich nicht verdient, da ich immer nur 3h pro Tag gebraucht wurde und dann teilweise auch nur die Hälfte der Woche, sodass ich zwischen 200-300$ bekommen habe jede Woche. Davon konnte ich jedoch nichtmal 100 zum sparen zurücklegen, da 125$ Miete waren für meine Wohnung, 60-70$ fürs Zugticket und vielleicht 20$ für Lebensmittel( und da spare ich schon extrem ein, dass überhaupt was übrig bleibt). Das war alles ein ziemlicher Wahnsinn für mich und ich bin absolut glücklich, es seit letzten Donnerstag endlich geschafft zu haben. Die Arbeit hat mich wirklich kaputt gemacht und ich kann gar nicht beschreiben wie schrecklich und belastend das ganze für mich war. Wie jemand mit panischer Höhenangst, der jeden Tag auf ein Hochhaus zum Fensterputzen geschickt wird und ohne Sicherung ganz oben an der Außenseite langklettern muss... oder stellt es euch vor mit dem Schreck, den ihr bekommt, wenn jemand euch die Vorfahrt nimmt oder auf der Autobahn vor euch ausschert und ihr nur mit einer millisekunde einem Unfall entkommt. So ein Moment hängt einem den ganzen Tag nach und alle Glieder sind wie schockgefroren. So fühle ich mich, wenn ich das Hundebellen nur höre, irgendwo aus dm Augenwinkel einen Schatten sehe( egal ob es ein Hund ist oder nicht), ich irgendein klappern höre, eine Tür offen steht... Stellt euch vor die Autobahn wäre nur voll mit solchen Leuten, die riskante Fahrweisen haben, und ihr müsst jeden Tag aufs neue auf diese Autobahn und durch dieses ein und ausscheren bekommt ihr ca. alle 15minuten so einen Schreck. Wie lange würdet ihr diese Fahrt durchhalten?
Ich weiß wirklich nicht wie ich ausdrücken soll, wie erniedrigend dies alles für mich war. Aber trotzdem war ich froh, dort angestellt zu sein. Die Familie war superlieb zu mir und ihnen war ich wichtig, mich in Sicherheit zu wissen. Sie haben sich wirklich so lieb um mich gekümmert. Helana, die Tochter hat auch versucht mir ein bisschen die Angst zu nehmen  und darüber war ich ihr auch sehr dankbar. Das Motel war wirklich niedlich eingerichtet, es war sehr klein mit nur 7 Zimmern, aber alles etwas älter aber wundervoll hergerichtet.
Shelley hat dann auch noch einen kleinen Extrajob für mich organisiert und so durfte ich jede Woche 1-2 mal zu ihrer Mama(Brenda) Putzen gehen. Da bin ich von ihr aus nochmal 30min mit dem Bus unterwegs gewesen, aber ich habe das wirklich gerne gemacht und die Arbeit dort geliebt. Sie und ihr Mann waren so lieb und herzlich zu mir, das war schon ein kleiner Oma Ersatz für mich. Ich habe sie dort im Haushalt unterstützt, die Bäder geputzt, Staub gewischt, beim Pflanzen umtopfen geholfen, die Küche aufgeräumt, Betten gemacht oder Zitronen unter dem Baum aufgelesen( die waren so rießig, fast wie Orangen). Auch sehr vielfältige Aufgaben, sodass die 2h, die ich dort war immer sehr schnell rumgingen. Wenn ich fertig war, habe ich immer einen Tee bekommen und was zu Essen und für den Heimweg hat sie mir immer Kekse mitgegeben, das war toll:))) Ich konnte mich dort wirklich gut behütet und auch ein bisschen zuhause fühlen und das hat mir wirklich sehr gutgetan. Heute war dort mein letzter Tag und ich war wirklich traurig, sie verabschieden zu müssen. Sie haben mir zum Abschied sogar noch ein Weihnachtsgeschenk überreicht, mit einem Kalender, eine Karte und einem Geschirrtuch. Ich habe mich so sehr darüber gefreut. Sie hat mich auch nochmal gedrückt beim Abschied, ich bin wirklich glücklich und dankbar, diese lieben Menschen kennengelernt zu haben und vor allem, dass ich nicht alleine war, sondern dass es Leute hier gibt, die sich um mich kümmern. Das war ein wirklich tolles Gefühl. Ich werde es vermissen. Das ist der Part den ich am Reisen ganz und gar nicht mag, das ständige verabschieden. man hat Leute kennengelernt die man gerne hat, aber nach kurzer Zeit geht jeder wieder andere Wege. Aber es war trotzdem toll, diese Leute kennengelernt zu haben. Ich werde noch lange an diese Zeit zurückdenken können in Perth und auch an Shelley und ihre Familie, die mir trotz meiner Angst ein Zuhause und eine Chance gegeben haben und mich immer spüren lassen haben, dass ich ihnen nicht egal bin.
Nebenbei habe ich jetzt auch 2 mal gekellnert in einem Restaurant in Perth. Das war auch eine schöne Erfahrung gewesen für mich und ich war danach wirklich sehr ausgeglichen, da ich keine Angst haben musste.
Übrigens habe ich letzte Woche wieder einen Job verloren nur wegen den Hunden.. Ich habe auf einer Farm angerufen in Tasmanien, die hat Meerblick, süße kleine Unterkunft für nur 50$ die Woche und nette Farmer.. nur leider mit 4 Hunden. Ich war wieder so frustriert da ich mich egal wo ich bin nur verstecken muss. Jetzt weiß ich eben nicht wo ich im Januar hinsoll, aber das macht mich dann schon traurig://
Jetzt bin ich noch 5 Tage in Perth bevor dann der Flieger ab nach Brisbane geht und ich genieße meine letzten Tage hier.Ich versuche in den nächsten Tagen alles auf den neuesten Stand zu bringen und euch die Dinge wissen zu lassen, die ich hier in Perth erlebt habe.
Liebe Grüße, Elli

die Straße in der das Motel liegt, wirklich schön

meine Arbeit, das Geländer ist übrigens frisch gestrichen und wurde von mir davor einzeln abgewaschen und abgestaubt, bei über 30 Grad.


Dresscode beim kellnern

auf dem Weg zu Brenda. Ich liebe die Umgebung hier, schon wenn man aus dem Bus ausgestiegen ist hat es so super gut nach den ganzen Pflanzen gerochen, ein bisschen auch nach Zitrone und Eukalyptus.

das war der Garten von den beiden


bye bye Claisebrook

heute auf dem Rückweg nach Hause, ein bisschen traurig aber rundum glücklich

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