2018-03-05

Was ich auf meiner Reise gelernt habe

Jeder aus meinem Jahrgang hat sofort nach dem Abi mit dem Studium angefangen. Für mich stand schon viele Jahre fest, dass ich erstmal eine Auszeit haben möchte, so war ich auch die einzige die sich entschieden hat, über tausende Kilometer von zuhause wegzugehen. Australien war schon immer ein Kindheitstraum und auch wenn ich hier leider viele Erfahrungen sammeln musste, die in meinem Traum nicht vorkamen, bereue ich es keine Sekunde hergekommmen zu sein. Ich bin der Meinung ich habe hier viel mehr gelernt, als alle, die sich möglichst schnell mit ihrer Zukunftsplanung beschäftigen und während zuhause gerade alle im Prüfungsstress stecken, habe ich die Chance mit Delfinen zusammenzuarbeiten. Was gibt es einem an Erfahrung und Horizont, wenn man sich sein ganzes Leben lang nur hinter einem Berg von Arbeit versteckt? Warum wird man schon am Ende seiner Schulzeit dazu genötigt, für alles einen Plan zu haben und ja keine Zeit verstreichen zu lassen? Aber was ist diese Zeit im Nachhinein betrachtet, wie schwer stehen sich ein Auslandsjahr oder langweilige Arbeitsjahre gegenüber? Ich finde es so traurig, dass es in Deutschland zur Normalität gehört, dass man seinem eigenen Leben keinen Freiraum mehr geben kann und ich habe hier schon viele Reisende in den 20gern kennengelernt, die dafür verurteilt werden sich die Welt anzuschauen, da sie ja nichts auf die Reihe bekommen würden in ihrem Leben zuhause.
Ich kann mich mit diesem ganzen Zukunfstquatsch nicht so recht identifizieren. Was bringt es mir jeden Moment durchzuplanen anstatt ihn einfach zu genießen?

1. Dankbarkeit
Ich habe es so sehr zu schätzen gelernt, was ich zuhause alles habe. Ich kann mir gar nicht ausmalen, was für ein unglaubliches Gefühl es sein muss, endlich wieder ein Zimmer, ein Bad oder eine Küche für mich ganz alleine zu haben. Kein Sress mit irgendwelchen nervigen Mitbewohnern die einem das Leben manchmal zur Hölle machen. Dreck, Chaos und wenig Geld nicht mehr den Alltag beherrschen zu lassen. Vor allem aber auch meine schöne Umgebung zuhause. Die grünen Wälder,Seen, Berge, Regen oder Schnee. Kleinigkeiten die vorher langweilig schienen, da man sich immer nach etwas anderem gesehnt hat. Jetzt sehne ich mich immer mehr nach Europa zurückzukehren. Ich schaue hier manchmal früh aus dem Fenster und wünsche mir einen Regentag:D Ich weiß, ihr würdet mich für diese Aussage gerade ziemlich schief anschauen, aber es fehlt einfach. gerade hier in Bunbury ist die ganze Umgebung sehr karg und trocken, der einzige Ort, den ich innerhalb weniger MInuten erreiche ist das Meer. Und ich genieße es jeden Tag dort zu sein. Das Meeresrauschen hat eine unglaublich beruhigende Wirkung.
Ich bin außerdem dankbar, dass ich zuhause Menschen um mich herumhabe, die meine Anwesenheit wertschätzen und denen es wichtig ist, dass ich da bin. Hier ist man nur einer von vielen und abseits des langweiligen und nichtssagendem Hostelsmalltalk trifft man nur selten Gleichgesinnte, mit denen man tiefere Gespräche führen kann. Außerdem das gute Essen daheim, In Australien gibt es nicht so viele leckere Lebensmittel geschweige denn welche, die man sich leisten kann. Quark, Brot oder so viel Gemüse und Obst wie ich möchte.. Ein Traum:D 

2. Minimalismus
Ich habe alles was ich für dieses Jahr brauche in einen Rucksack stopfen müssen. Am Anfang war das eher eine verzweifelte Vorstellung, da ich so viele Sachen, die ich eigentlich mitnehmen wollte, am Ende wieder auspacken musste. Jetzt mag ich das Gefühl nicht viel zu besitzen und habe im Dezember nochmal kräftig an Klamotten aussortiert. 5 Oberteile reichen vollkommen aus, da man ja alles waschen kann. Früher hat man sich so ein bisschen durch Gleichaltrige mitreißen lassen und hat immer verglichen ob man auch genug hat. Wer kennt nicht diese Menschen, die jeden Tag etwas anderes anhaben und das Gefühl, schräg angeschaut zu werden, wenn man mal 3 Tage das selbe anzieht. Hier spielt sowas keine Rolle mehr und auch zuhause benötige ich es nicht. Ich habe gelernt, das Geld in wichtigeres zu investieren und dass es den Preis für mich nicht wert ist. Daheim häuft sich jeder die Klamotten jeder neuen Kollektion an, ich setze da eher auf Flugtickets.

3. Geld
Sparen zu müssen, war jetzt keine wirkliche Sache die ich lernen musste, da ich es von zuhause gewöhnt bin und mir auch da schon mein Geld sehr gut einteilen konnte und nie wirklich was ausgegeben habe. Doch hat sich meine Ansicht in der Art und Weise verändert, dass man sich genau überlegt, für was man das Geld ausgibt und wenn man sich etwas leistet, auch jedes einzelne Stück davon genießt. Ebenso verändert sich der Wert des Geldes, da man es sich selbst erarbeitet hat. Man behält auch besser den Überblick über alles. Naja, ehrlich gesagt hatte ich das zuhause auch und außerhalb war es mir auch nie wert, das ganze Geld nur in Essen oder Getränke zu investieren. Wo andere 50€ pro Wochenende versaufen musste ich nie groß überlegen nie mehr als maximal 15-20 auszugeben. Ich bin jedoch dankbar für die Sachen , die ich mir hier leisten kann und weiß, dass es nicht selbstverständlich ist. 

4.Selbstbewusstsein
Naja, das war ja für mich eh immer ein Fremdwort. Aber bei dem ganzen Sch**** der mir passiert ist, wäre es schon merkwürdig, wenn da überhaupt nix hängen geblieben wäre.  Man trifft einfach so viele Menschen, die man lieber nicht kennengelernt hätte und wird verletzt, ausgeschlossen oder nicht gemocht. Früher hätte ich mir richtig Selbstvorwürfe gemacht deswegen. Jetzt ist es mir sowas von egal, natürlich macht es einen traurig, aber ich weiß, dass ich ok so bin wie ich bin und wenn jemand auf mich keinen Wert legt würde ich mal sagen, falsche Prioritätensetzung:D Nein, ihr versteht was ich meine. Ich lasse es nicht zu, dass Leute denken sie könnten sich über mich stellen oder über mich urteilen, auch wenn sie nur einen Bruchteil meiner Persönlichkeit kennen. Aber nicht nur im Zwischenmenschlichen wird man selbstbewusster. Wenn ich auf das zurückschaue, was ich hier alles gemeistert habe im letzten halben Jahr, kann ich stolz sein nicht aufgegeben zu haben. Eher auch das Gefühl, sich nicht unterkriegen zu lassen, und zu wissen wo sein Platz ist.  Ich weiß, dass es richtig ist meine Meinung zu sagen und nicht wie der Großteil einfach zu schweigen. 

5. Glück
Glücklich sein kann ich auch mit wenig. Ein bisschen schöne Natur um mich herum, ein schönes Buch oder Meeresrauschen. Zuhause oder im sozialen Umfeld wird Glück zwar auch mit Familie und Freunden verbunden, aber dennoch geht es zusehr um den Besitz und mit welchen Habgütern man sich selbst versucht glücklich zu machen, aber um ehrlich zu sein sind dies alles Nebensächlichkeiten. Ich habe viel mehr gelernt glücklich zu sein und mit einem Strahlen durch die Welt zu gehen.




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